Anschrift:

Kolpingfamilie Rottenburg

Max-von-Müller-Str. 55

84056 Rottenburg


Letzte Aktualisierung:

Dienstag, 06. November 2018

Chronik der Kolpingfamilie Rottenburg

Von der Zeit der Gründung bis in die Nachkriegsjahre

 

(bearbeitet nach den Protokollbüchern, Zeitungsausschnitten, Erzählungen und persönlichen Erfahrungen von unserem Ehrenmitglied Josef Wiesmüller, frei übernommen, aus der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der Kolpingfamilie im April 2002)

Rottenburger Verhältnisse in den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts

Das Leben muss weitergehen! Dieser Grundsatz galt für die ca. 1300 Einwohner des alten Marktes Rottenburg trotz des verlorenen Weltkrieges von 1914 bis 1918 und der schlimmen Folgen in den Nachkriegsjahren, die geprägt waren von Armut, Hunger, Epidemien, Arbeitslosigkeit, überhaupt von allen Nöten, die nur denkbar sind, wobei Inflation, Reparationsleistungen, Weltwirtschaftskrise und die Unbarmherzigkeit der Siegermächte dem Volk wenig Hoffnung auf Besserung ließen. Aber Menschen sind hoffende Wesen und "100 Jahre hängt es nicht auf eine Seite!" Die Not sehen und etwas dagegen tun, so dachten wohl manche, aber wie? Der Rottenburger Kooperator Georg Gnerer befasste sich vor allem mit der Situation der junge Burschen, die nach sieben Schuljahren und drei Jahren Lehrzeit auf der Straße standen, bettelarm, während es den Kriegsgewinnern, Leute, die vom Krieg und in Kriegszeiten große Gewinne machten, sehr gut ging.

Die Gründung des Katholischen Gesellenvereins

Im Nachbarmarkt Pfeffenhausen gab es schon seit Jahrzehnten einen Katholischen Gesellenverein, in dem auch einige Rottenburger Burschen Mitglieder waren. Zugleich gab es aber dort eine aktive Ortsgruppe der NSDAP. Letztere streckte in alle Richtungen ihre Arme aus und fand in dem Rottenburger Lehrer Hermann G. einen sehr aktiven Propagandisten. Im Jahre 1925 finden in Rottenburg zwei Einladungen statt. Kooperator Georg Gnerer lädt zu einer Versammlung des katholischen Volksvereins zum 1.März 1925 in den Gasthof Streibl ein. Eine andere Gruppierung, die sich "Völkischer Block" nennt, benutzt bei der Einladung zum 2. März bereits das Hakenkreuz. Der "Völkische Block" geht später in der NSDAP auf. Diese Partei findet in der Bevölkerung nur wenige Anhänger. Dagegen gelingt es Kooperator Gnerer, eine Schar junger Männer für einen "Katholischen Gesellenverein" zu gewinnen, dem auch eine Anzahl Meister beitrat.

Ein wichtiges Dokument

Ein wichtiges Dokument über die Existenz des Katholischen Gesellenvereins ist das Protokoll der Generalversammlung 1927. „Nach Absingen des Kolpingliedes begrüßte der derzeitige Präses Kooperator Gnerer die Erschienenen und gab einen kurzen Überblick über das erste abgelaufene Vereinsjahr...“

 

"Die nun folgenden Neuwahlen ergaben folgendes Ergebnis:

Senior: Gotz Xaver, 18 Stimmen

Kassier: Hopf Josef, 27 Stimmen

Schriftführer: Fischer Josef

Vereinsdiener: Mayerhofer Josef.“

Kolping lebt und ist aktiv

Wie Kolping lebte und aktiv war und ist, darüber geben die sorgfältig geführten Protokollbücher reichlich Auskunft.

 

Ein besonderes glänzendes Lob hat aber das ehemalige Gründungsmitglied Josef Pöschl in seinen im hohen Alter verfassten Lebenserinnerungen ausgesprochen. Mit Hinweis auf die vielen Nöte der zwanziger Jahre und die geringen Fortbildungsmöglichkeiten auf dem Lande schreibt er:

 

„Die einzige Möglichkeit sich wenigstens im bescheidenen Rahmen fortzubilden, boten die örtlichen Vereine... besonders jene, die kulturellen, gesellschaftlichen oder öffentlichen Zwecken dienten. Dazu gehörten vor allem die Vereine die sich in den schwierigen Zeiten der zwanziger Jahre um die Jugend angenommen haben. So vermittelte der Gesellenverein (Kolpingfamilie) durch Vorträge und Lehrgänge Grundkenntnisse im kaufmännischen Rechnungswesen und in der Buchführung... Dinge, die mir im Beruf und Leben zugute kamen.“

 

Es sei vermerkt, Josef Pöschl war ein schauspielerisches Naturtalent, ein Meister der Mimik, Gestik und Bewegung. Zugleich vermerkt er noch, dass alle Leistungen ohne Zuschüsse, nur aus geringen Beiträgen und Eintrittsgeldern geschafft wurden.

Arbeiten im Geiste Adolph Kolpings

In so einer Gemeinschaft kommt es auf jeden an und wer einmal mit der allumfassenden Gedanken- und Glaubenswelt Adolph Kolpings in Berührung kam, kann sich glücklich preisen. Der Wert des Menschen liegt in seiner Einmaligkeit, seiner Geistbegabung und daraus leitet sich seine Verantwortung vor Gott und den Menschen ab. In freier Entscheidung hat der Mensch zu wählen. 

 

Kolping fasst das in 4 Programmpunkten kurz und bündig zusammen:

„Der tüchtige Christ!“

„Der tüchtige Meister!“

„Der tüchtige Bürger!“

„Der tüchtige Familienvater!"

 

Mit diesen Zielvorgaben wird seitens des Präses in Zusammenarbeit mit bewährten Persönlichkeiten, die die Vielfalt des Lebens vertreten, mit Ernst und auch Humor gearbeitet. Religiöse Feiern und Theaterspiele prägen sich bleibend ein und bleiben in der Erinnerung haften.

Der Präses als Vorbild

Alle Protokolle dieser Anfangsjahre anerkennen den restlosen Einsatz des jeweiligen Präses für den Gesellenverein. Dabei hatten es diese nicht leicht, waren sie doch zuständig für die seelsorgliche Versorgung der Filiale Münster in 6 km Entfernung, nebst Schuldienst. Die Wegverhältnisse waren meistens miserabel, schlecht für Fußgänger. Die Bezahlung der Kooperatoren war mäßig, arm wie Kirchenmäuse waren sie.

Die jungen Männer erkennen das an. Schriftführer Josef Pöschl widmet Präses Kooperator Griesbauer zwei Seiten Lob im Protokollbuch. Auszug: „Für den Verein war ihm keine Arbeit zuviel, ja selbst große finanzielle Opfer hat er dem Verein gebracht.“ (August/September 1930)

Der Gesellenverein - eine Größe im gesellschaftlichen Leben des Marktes

Sich zeigen und wirken in der Öffentlichkeit, das war eine Forderung des Gesellenvaters. Auch die Rottenburger Gesellen erfüllen diesen Auftrag. In allen Bereichen des Lebens sind sie aktiv. Mit dem neuen Kooperator Theodor Fischer, der am 23.07.1930 hier in Rottenburg seinen Dienst antritt, wird ein sehr eifriger Präses gewonnen. Er setzt sich voll und ganz für seine Gemeinde ein. Für ihn ist Glaube, Wissen und Bildung für junge Menschen absolut notwendig. Großen Wert legt er auf die Monatskommunion. In dieser Zeit gibt es aber ein besonders schwieriges Aber: Die unheimlich große wirtschaftliche Not belastet das Leben allgemein.

Junge Menschen ohne Arbeit

Im ganzen Lande wird die Arbeitslosigkeit immer größer. Wandernde Gesellen, die wie allgemein üblich vom Ortsverein für einen Tag und eine Nacht versorgt werden müssen, können davon berichten. Es ist eine harte Zeit, aber auch eine Zeit der Bewährung. Hält der ideale Zustand, das gute Verhältnis zwischen Meister und Gesellen, wie es sich im Gesellenverein bei den Monatsversammlungen offenbart, bei Verschlechterung der Lage die großen Belastungen aus? Das ist eine fundamentale Frage.

Neue weltliche Heilslehren

Kommunismus und Nationalsozialismus treten in dieser Zeit nicht nur als Gegner, sondern als Heilsbringer auf. Sie versprechen Arbeit und Brot und ein Ende der Not. Eigentlich sind die Burschen des Gesellenvereins gut informiert über die Ziele des Kommunismus; denn darüber zu informieren wird viel Zeit aufgewendet. Aber die Gefahr des Nationalsozialismus wird weniger erkannt. Der Hitlerismus ließ seine Maske erst fallen, als er 1933 an die Macht kam. Aber, gab es bisher Auseinandersetzungen mit vereinsmäßigem Hintergrund, z.B. zwischen Turnern und Fußballern, so gibt allmählich die politische Gesinnung den Anlass. Das geht dann soweit, dass nun nicht mehr Bubenblasen wie „Mösla“ gegen „Bahnhöfla“ oder „Turnplatzla“ raufen, sondern Nazi gegen Kommunisten.

Kontakte zu Nachbarvereinen

Kontakte zu Nachbarvereinen werden ebenfalls gepflegt. Wichtig vor allem auch der Besuch der Bezirkskonferenzen in Landshut. Damals - 1931 - zählte der Bezirk sieben Vereine. Landshut besaß bereits ein Kolpinghaus. Der Gesellenverein Rottenburg bekam nach einem Tätigkeitsbericht von Senior Ludwig Pehr durch Bezirkspräses lngerl ein besonderes Lob für seine zahlreichen vielseitigen Aktivitäten. Bei dieser Konferenz stellte sich heraus, dass von 43 Teilnehmern über die Hälfte arbeitslos ist.

Das Jahr 1933 - Verbrecher kommen an die Macht

Das Jahr 1933 wird zum Schicksalsjahr der katholischen Gesellenvereine in ganz Deutschland. Anlässlich der Monatsversammlung im Dezember 1932 gibt Präses Theodor Fischer bekannt, dass im Juni 1933 in München ein „Nationaler deutscher Gesellentag“ abgehalten wird. Bei der Generalversammlung im Januar 1933 wird Leopold Steinhauser zum neuen Senior gewählt. Zugleich wird beschlossen, die neue Fahne bei der nächsten Generalkommunion zu weihen. Dann laufen die Vorbereitungen für den Gesellentag, der unter der Parole steht: „Gott und Volk, Volk und Stand, Stand und Staat!“

 

Sieben Mann erklären sich bereit zum Gesellentag nach München zu fahren, dazu der Ehrenvorstand Herr Bürgermeister Stapfer. Dann werden fleißig die betreffenden Lieder eingelernt. Alle freuen sich schon auf München. Und die Vereinsarbeit läuft vorerst weiter.

Zerschlagung des katholischen Vereinswesens

„Den Auftakt zum Kampf gegen die katholischen Vereine gab der Katholische Gesellenvereinstag in München vom 8. bis 11. Juni 1933, der mit Erlaubnis aller zuständigen staatlichen und politischen Stellen angesetzt, vorbereitet und begonnen worden war, aber schon am Dreifaltigkeitssonntag auf Veranlassung und unter persönlicher Mitwirkung von Staatsminister Wagner gewaltsam unterbrochen und verhindert wurde, wobei es vielfach zu Tätlichkeiten gegenüber den Teilnehmern kam.“

So berichtet Dr. h.c. Johann Neuhäusler, Weihbischof von München in seinem 1964 herausgegebenen Buch „Saat des Bösen“. Johann Neuhäusler war von 1941 bis zu seiner Befreiung 1945 im KZ Sachsenhausen und Dachau in Haft. Aber über diese Gewalttat gab es noch mehrere Zeugen und gibt es auch noch einen bei der KF.

Die Gesellen, die guten Glaubens und Vertrauens nach München kamen, wurden von braunen Schlägerbanden der SA (über 3000 Mann) und HJ mit Drohungen, Prügeln, Schulterriemen usw. angebrüllt, geschlagen und durch die Straßen Münchens gejagt. Viele flohen Richtung Bahnhof um mit den Zügen aus der Stadt zu kommen, andere suchten in Häusern und auch bei Verwandten Unterschlupf. Um das Banner zu retten, wickelte sich Senior Leopold Steinhauser das Tuch um den Leib. Da die Bevölkerung von diesem Verbrechen nichts oder nur wenig erfahren sollte, wurde den Zeugen bei Androhung von Strafen und KZ Redeverbot auferlegt.

Da die Drohungen der Partei keinen Zweifel ließen, entfernte der Schriftführer Ludwig Krieger die zwei Seiten Nr. 31 und 32 aus dem Protokollbuch, die sich mit den brutalen Vorfällen in München befassten.

Es gab in Zukunft nur eine Lehre - die nationalsozialistische Ideologie von Rasse, Blut und Boden.

Wiedereröffnungsversammlung am 26. November 1933

Nach monatelangem Verharren in Angst und Ungewissheit eröffnet sich eine Chance der Weiterarbeit, die aber nur möglich ist unter den Bedingungen, welche die Partei duldet. Anwesend ist bei dieser Versammlung auch der H. H. Diözesanpräses Prof. Wolfgang Prechtl. Die Worte Prechtls klingen sehr hoffnungsvoll. Man erkennt sogar die sozialen Leistungen der Gesellenvereine an, aber in Zukunft müssen wichtige Aktivitäten und die Mitglieder gemeldet werden. 20 Gesellen sind bereit, weiterhin mitzumachen. Neben dem Kolpinggruß „Treu Kolping!“ steht auch der Hitlergruß.

Von nun an werden dem nationalsozialistischen Gebot nach die Chargen berufen, nicht mehr gewählt - „Führerprinzip“.

Man trifft sich noch am 10. Dezember 1933 und am 7. Januar 1934, dann erst wieder am 10. Juni und 8. Juli 1934. Diese Monatsversammlungen werden geleitet vom neuen Präses Kooperator Thomas Härtl.

Die letzte Nachricht über den katholischen Gesellenverein steht dann im „Rottenburger Anzeiger“ Nr. 35 vom 11. Februar 1935, der sich ab 1933 „Deutsche Kolpingfamilie“ nannte. Während viele Nazibonzen verkündeten, Nationalsozialismus und Christentum seien in vielen Bereichen miteinander vereinbar war bereits eine gewaltige Verleumdungs- und Verfolgungswelle in Gang gesetzt worden, gegen Amtsträger und Laien.

Das Aus für den Gesellenverein

Es war ein großer Fehler von allen Gutgesinnten, die da meinten, man könne mit den braunen Machthabern eine Form des toleranten Nebeneinanders finden. Totaler Machtanspruch bedeutet totale Unterwerfung.

Wer einen Arbeitsplatz hatte, der musste in eine Gliederung der Partei eintreten, das bedeutete für die Rottenburger Burschen: Eintrift in die SS (Schutzstaffel). Und wer keine Arbeit hatte und eine wollte, für den bedeutete es auch: Eintritt in die SS. Weil viele Gesellen trotz Lockung oder Drohungen nicht Folge leisten wollten, wurde ihr Eintritt erzwungen. Weil Doppelmitgliedschaft verboten war, löste sich der katholische Gesellenverein wie von selbst auf - durch Druck der Partei. Ab den Jahren 1933/34/35 liefen die Gesellen in SS-Uniform daher, erschienen gezwungen zu den sonntäglichen Appellen, lernten stramm stehen und im Gleichschritt zu marschieren. Den Münchner Kolpingtag nahmen die Nazis zum Anlass, mit dem Kampf gegen das Christentum zu beginnen.

Das Bild vom Primiziantenempfang des Johann Steinhauser im April 1935 vereint die Männer und Frauen, die von den Nazis als „Schwarze“ verhöhnt wurden.

Die Primizfeier wurde trotz schlechten Wetters zu einem Bekenntnistag für den Glauben. Hunderte waren gekommen, so viele, dass sie in der Kirche keinen Platz mehr fanden und im Freien aushielten.

Schwerer Neubeginn nach dem Krieg

Wie war die Lage? Da waren die Besatzer, die nicht als Befreier, sondern als Feinde und damit als Sieger zu uns kamen. Dann war da ein Volk, das nach dieser schlimmen Niederlage auf Gnade hoffte und von der Hoffnung lebte.

Dann waren da junge Menschen, denen man die Jugendzeit geraubt hatte, die man jahrelang vom Kindergarten über die Schule und den nationalsozialistischen Jugendverbänden HJ und BDM im Sinne der Nazi-Ideologie erzogen hafte, die statt Gebete fanatische Verse und Kampflieder eingetrichtert bekommen hatten.

Unter diesen Umständen konnte die Wiederbelebung religiös und kirchlich gebundener Jugendgruppen nur schwer und zäh vor sich gehen. Man wollte die jetzt erlangte Freiheit nicht wieder aufgeben und sich binden. Der Begriff Jugendarbeit war belastet durch die jüngste Vergangenheit. Und dazu war über mehr als 10 Jahre kirchliche Jugendbetreuung verboten gewesen. Und trotzdem musste ein neuer Anfang gemacht werden, noch dazu wo die Voraussetzungen in Rottenburg personell nicht ungünstig waren. Schon unter dem 18. Juli 1945 steht im Protokollbuch folgender Eintrag, verfasst von dem damaligen Kooperator und Präses Josef Wittmann:

„Nach jahrelanger Unterbrechung, verschuldet einerseits durch Verbote und andererseits durch den furchtbaren Krieg 1939/45, der unser Vaterland in namenloses Elend stürzte, wurde nach dem Einmarsch der Amerikaner in Rottenburg die katholische Kolpingfamilie wieder neu ins Leben gerufen. Das erste Zusammentreffen von sieben jungen Menschen fand im Zimmer des Kooperators statt - am 25. Juni 1945.

Zur Mitarbeit stellte sich auch der ehemalige Reichssenior der Kolpingfamilie, Herr Winkler, der mit seiner Familie in Pattendorf bei Herrn Prof. Prechtl evakuiert war, zur Verfügung. So trafen sich dann immer mehr junge Menschen jede Woche Montag abends bei dem ehemaligen Herbergsvater L. Streibl, der sein Lokal wieder zur Verfügung stellte. Die alten Ziele der Kolpingfamilie, die heute notwendiger denn je verfolgt werden müssen, wurden vom Präses und H. Winkler klar vor Augen geführt. Gerade die Mitglieder der Kolpingfamilie müssen die ersten sein, die aktives Christentum vorleben und dadurch werben für die katholische Sache.

Wenn auch die Vorbereitungszeit kurz war für den Glaubenstag der katholischen Jugend der Pfarrei Rottenburg am 15.07.45, so war die Beteiligung an Generalkommunion und Glaubensfeier eine erhebende. Unsere zwei Kolpingbanner sah man nach langer Zeit wieder in der Kirche. Am 16.07.45 war eine größere Anzahl auch bereit, sich in die aufgelegte Mitgliederliste einzutragen. Verschiedene Meister, die bereits zugesagt haben, werden sich ebenfalls eintragen lassen.

Gott gebe, dass unsere Arbeit in dieser unserer Zeit nicht ganz umsonst sei. Es gilt ein neues katholisches Leben aufblühen zu lassen.“

Josef Wittmann, Präses

1946: Pfarrer Michael Seidl kommt nach Rottenburg. Seidl ist ein aktiver Mann. Die Mädchen sind leichter für die Jugendarbeit zu begeistern, noch dazu wo jetzt die Schulschwestern wieder im Schuldienst sind.

Pfarrer Seidl ist gewillt, eine blühende Kolpingfamilie ins Leben zu rufen. Es gibt auch noch Männer des ehemaligen katholischen Gesellenvereins, die bereit sind, mitzumachen. Sie sind in der jungen Demokratie erfolgreich, allen voran der letzte Senior der Kolpingfamilie, Leopold Steinhauser. Er wird in den Gemeinderat berufen, zum Bürgermeister gewählt und betont immer wieder, dass er der Kolpingfamilie viel seines Wissens verdanke, das er sich in Kursen erworben hat und ihn zu seinem jetzigen Amt befähige.

Pfarrer Michael Seidl hatte es nicht leicht. Er wollte möglichst viele junge Burschen für Kolping gewinnen. Aber so sehr er auch warb und dabei auch unterstützt wurde, mehr als 12 kamen nicht zusammen. Die jungen Männer wollten ihre neu gewonnene Freiheit auskosten. Sitte und Moral zählten nicht viel, das Leben genießen, so hieß die Parole.

Als im Februar 1947 das Vereinslokal bei Streibl anlässlich eines lnformationsabends voll besetzt war, darunter auch der ehemalige Diözesanpräses Wolfgang Prechtl und viele Altkolpingsöhne, trugen sich wiederum nur die zwölf in die Liste ein, die sich bereits vorher schon für Kolping entschieden hatten, bei Altkolping waren es 16.

Martin Paul wurde Senior, Wiesmüller Josef Schriftführer, Xaver Spichtinger Kassier. Dann wurde beschlossen, ein Theaterstück aufzuführen; denn ein Spiel war die beste Möglichkeit, den Zusammenhalt zu festigen und sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Unter der Regie von Präses Seidl wurde das Volksstück „s‘Trauringl“ einstudiert und viermal aufgeführt. Von der Familie Eigenstetter wurde der Saal großzügig zur Verfügung gestellt. Der Zusammenhalt war so groß, dass auch eine Aufführung in Langquaid möglich war. Mit geliehenem Bulldog und Anhänger, darauf die Kulissen und die Spielerschar, von der dortigen KF bestens unterstützt, wurde es eine prima Aufführung, ganz im Geiste des Gesellenvaters.

Theaterspielen, Glaubensstunden, Bildungsabende, freie Gesprächsrunden bei der Familie Weber, Weihnachtsfeiern waren Höhepunkte.

Weitere wichtige Ereignisse

05.10.47

Jugendtag in Vilsbiburg mit 6000 Jugendlichen von 8 Dekanaten

10.10.47

Vortrag von Zentralsenior Bönig aus Köln über Adolph Kolping

07.12.47

Aushändigung der „Familien-Bücher für die Kolpingsöhne“

19.03.48

Messe mit Gemeinschaftskommunion, Vortrag und Weihe der Kolpingbüste, geschaffen von unserem Mitglied Siegfried Weber

1948

Vortragsreihe über Rechtsfragen: Ehe und Familie, Testament und Erbfolge, allgemeine Rechtsfragen

1949

„100 Jahre Kolpingwerk“ Feierlichkeiten in Köln. Mit der Kolpingfamilie Ergoldsbach fahren 2 Mitglieder aus unserer KF. (Rupert Pollinger, Senior und Josef Wiesmüller, Schriftführer) per Bus nach Köln und werden Zeugen der Feierlichkeiten des weltumspannenden Kolpingwerkes. Ausflug zum Wendelstein.

1949

Planung und Durchführung der Handwerks- und Gewerbeausstellung in Rottenburg vom 18. bis 26. September 1949. Hierbei bewährt sich die Zusammenarbeit zwischen weiblicher Pfarrjugend und Kolpingfamilie trotz erheblicher Anforderungen hervorragend. Die örtliche Presse berichtet sehr umfangreich über die Leistungsschau so kurz nach der Einführung der Deutschen Mark 1948 und widmet dem Leben und Werk Adolph Kolpings ausführliche Artikel. Gleichzeitig wird an 4 Tagen vom 21. bis 25. September das Passionsspiel „Vom Leiden und Sterben unseres Herrn“ in der Pfarrkirche mit großem Erfolg aufgeführt.

Für 1950 standen so viele Ereignisse an, dass trotz ihrer Wichtigkeit nur kurz auf sie eingegangen werden kann.

19.01.50

Generalversammlung mit 45 Mitgliedern, Neuwahl der Vorstandschaft

19.03.50

gemeinschaftliche Osterkommunion

Mai 1950

Mitfeiern beim 80-jährigen Feuerwehrjubiläum Pfingstausflug der Pfarrjugend nach Berchtesgaden

August 1950

Audienz im Petersdom durch Papst Pius XII. Der Papst unterhält sich kurz mit unserem Mitglied Josef Weber in Deutsch. Herrliche Tage! Teilnahme am 80-jährigen Stiftungsfest der KF Geisenhausen

03.09.50

Teilnahme am Deutschen Katholikentag in Passau mit 150.000 Personen unter dem Leitmotiv „Suchet das Reich Gottes, das andere wird gegeben werden!“

1950/51

Die Wintermonate werden dazu benutzt, sich weiterzubilden in Religion, Mathematik, Rechtschreiben und Stenografie.

Ein Erlebnis besonderer Art war der Katholikentag in Regensburg am 2. Juni 1951. Mit dem Rad bzw. Bus gelangten viele Mitglieder nach Regensburg: „Die Nachmittagsveranstaltung im Jahnstadion war einmalig. Der Himmel öffnete seine Schleusen, der Regen hörte nimmer auf. Bald standen wir patschnass im knöcheltiefen Wasser. Obwohl alles noch lachte und wir voll Begeisterung sangen: „Ob Regen und Wind, wir lachen darüber, wir sind jung und das ist schön", flüchteten viele und zogen andere mit. Unterschlupf boten Torbögen, Wirtshäuser und Kirchen. Erst gegen Abend zur Freiluftaufführung des Spieles „Jedermann“ hörte es zu regnen auf. Für die Radler war die nächtliche Heimfahrt voller Abenteuer:"

1952

Mit dem Lustspiel „Der Holledauer Friedl“, in Zusammenarbeit mit der Liedertafel und der Kapelle Vötterl aufgeführt, wurde den vielen Besuchern aus nah und fern viel Freude bereitet und das Gefühl der Zusammengehörigkeit gestärkt.

Bau und Einweihung des Jugendheims

„Eigener Herd ist Goldes wert!“ Diese Volksweisheit lässt sich sehr gut auf die Jugendarbeit übertragen. An und für sich waren wir im Gasthof Ludwig Streibl nicht schlecht untergebracht und auch das Zimmer im „Klitzinghaus“ war sehr nützlich, aber was Eigenes wäre schon besser. Aufgrund vieler Beratungen schälte sich heraus, dass der Umbau der alten Wagen- und Holzremise im Pfarrhof dafür gut geeignet wäre. Gedacht, geplant und angepackt. Mit vereinten Kräften, allen voran Präses Kooperator Baumgärtl, wurde gewerkelt bis in die Nächte hinein. Kolpings Geist beflügelte alle. Und das Werk gelang zur Freude aller; die Gesamtkosten betrugen 15.000 DM - damals viel Geld!

Am 22. November 1953 war es soweit - vormittags Gemeinschaftsmesse mit Generalkommunion und nachmittags Empfang des Weihbischofs Hiltl, feierliche Andacht in der Pfarrkirche mit anschließender Weihe des Jugendheims. Mit dem Heim verfügten alle kirchlichen Vereine nun über ein eigenes Haus. Pfarrer M. Seidl übergab die Verwaltung des Hauses der Kolpingfamilie.

1953

Die Zeit war reif, um ein „Eheseminar“ abzuhalten. In sechs sehr gut besuchten Vorträgen erfuhren viele junge Menschen Grundsätzliches über das menschliche und eheliche Zusammenleben.
1955 „Fahnenweih in Schneizlwies“, dieses Theaterstück bot großartige Laienschauspielkunst. Eine 3-Tagesfahrt ins Dachsteingebiet verlief mit viel Freude und reichen Erlebnissen.
1955 Bei dem vom Kreisjugendring veranstalteten Erntedankfest mit Festzug durch Rottenburg waren die Kolpingmitglieder aktiv mit einem Festwagen dabei.